Aussegnungshalle feierlich eingeweiht und Baumgrabfeld vorgestellt

Mit der feierlichen Einweihung der Aussegnungshalle und der Vorstellung des neuen Baumgrabfeldes wurde in Vorbachzimmern das langfristige Projekt Friedhofsoptimierung zu einem guten, vorläufigen Ende gebracht.

Ortsvorsteher Gerhard Hauf, Bürgermeisterin Heike Naber und Pfarrerin Ina Makowe betonten in ihren Redebeiträgen den Stellenwert des Friedhofs als sozialen Ort der Begegnung und der Erinnerung. Die Bürgermeisterin Beschied dem vorbachzimmerner Friedhof gar einen Parkcharakter. Pfarrein Makowe zitierte einen Trauertherapeuten, der sinngemäß sagte“ wer den toten einen Platz gibt, den machen sie stark“. Über den Friedhof könne man sich glücklich schätzen, weshalb dem unermüdlichen Ortsvorsteher und dem Ortschaftsrat Dank gebühre.k-aussegnungshalle innen

Der Gedanke an eine Aussegnungshalle reifte schon lange. Traditionell beginnen Beerdigungen in Vorbachzimmern mit einem Trauerzug vom Trauerhaus zum Friedhof. In den vergangenen Jahren gestaltete sich dies zunehmend schwieriger, unter anderem weil sich Autofahrer häufig pietät- und rücksichtslos an der Trauergemeinde vorbei drängeln. Schon vor vielen Jahren wurden deshalb Überlegungen zu einer Aussegnungshalle angestellt. In der Gemeinde Niederstetten war das aber für die Teilorte nicht vorgesehen. Der Vorbachzimmerner Ortsvorsteher Gerhard Hauf blieb deshalb selbst am Thema dran. Anlässlich der Einweihung schilderte er den Werdegang bis zur Umsetzung. Bürgerversammlungen und Befragungen wurden durchgeführt. In den letzten Jahren wurden in ehrenamtlicher Arbeit und zum Teil mit gebrauchten Pflastersteinen Parkplätze erstellt und der obere Bereich des Friedhofes gepflastert. Die finanzielle Grundlage hierfür bildete der Überschuss aus dem Dorfjubiläum 2001, der mit Zinsen auf einen fünfstelligen Betrag angewachsen war und den die Vereine für das Projekt freigaben. Dann kam schließlich eine Großspende von Edgar Wolf, die zusammen mit verschiedenen weiteren Spenden aus der Bürgerschaft und von Banken sowie aus Erlösen aus der Trockenhangpflege den Weg endgültig für die Aussegnungshalle ebneten.k-aussegnungshalle

Beim Bau der Aussegnugshalle selbst war dann wieder ehrenamtliche Mitarbeit gefragt, sei es beim Mauern, beim Streichen der Balken für das Dach, als Bauhelfer beim Aufschlagen oder wie die Familie Weber, die 1600 Holzelemente für den Boden in der heimischen Werkstatt gefertigt hatte. Andreas Weber hatte auch ein kleines Fenster aus der alten vorbachzimmerner Kirche, die in den sechziger Jahren dem Neubau weichen musste, restauriert, das nun als kleines Schmuckstück eine Wand der Aussegnungshalle ziert. Keinesfalls vergessen werden dürfen die an der Umsetzung beteiligten Handwerker, allen voran die Zimmerei Kerndter aus Creglingen. Seniorchef Paul Herwarth, dem vorbachzimmerner Ortsvorsteher Gerhard Hauf als Sangesbruder langjährig verbunden, erstellte den Plan für Gotteslohn und auch bei der Abrechnung der Holzbauarbeiten zeigte sich das Unternehmen äußerst sozial. Aber auch die anderen beteiligten Unternehmer wie Erdbau Jürgen Burghardt, das Statikbüro Matthias Goelz, der ortsansässige Maurermeister Uli Schultze und Metallbauer Torsten Nörr waren sehr entgegenkommend. Ein weiterer Sängerfreund Haufs, Gerhard Benz aus Archshofen, sorgte unterstützt von Uli Schultze für den Putz an den Wänden.

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Gerhard Hauf dankte allen, die durch ihre Unterstützung, sei sie finanzieller oder tatkräftiger Art gewesen, das Projekt möglich gemacht hatten. Ein Dank ging auch an die Stadt für die Begleitung und die Unterstützung bei den Arbeiten im oberen Eingangsbereich und der Stützmauer. Die Aussegnungshalle war ohne ein Budget im städtischen Haushalt verwirklicht worden. Die Stadt könne diese deshalb als Glücksfall bürgerschaftlichen Engagements sehen und sie samt dem neugeschaffenen Umfeld als Geschenk annehmen. Insgesamt waren in den vergangenen Jahren für das gesamte Projekt samt Umfeldgestaltung rund 35.000 Euro nichtstädtischer Mittel ausgegeben worden. Gut die Hälfte davon stammte aus der genannten Großspende.

Edgar Wolf erläuterte auf Gerhard Haufs bitte hin kurz, was ihn zu der Spende bewogen hatte. Nach dem zweiten Weltkrieg kam er als kleiner Junge mit seiner Mutter nach Vorbachzimmern. Wolfs Vater ist namentlich als einer der Vermissten des zweiten Weltkriegs auf dem Kriegerdenkmal genannt. In Vorbachzimmern verbrachte Edgar Wolf seine Kindheit mit Kindergarten, Schule und Konfirmation. Er sei dankbar für diese Zeit und Vorbachzimmern habe ihn nie losgelassen. Nun, nach einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn könne und wolle er etwas zurückgeben. Bereits 2012 machte er mit einer Großspende die Sanierung und Konservierung des Kriegerdenkmals auf dem Friedhof möglich. Den vorbachzimmerner Bürgern gab er mit auf den Weg, stolz auf ihren Ortsvorsteher zu sein, der ein Mann der tat sei.

k-baumgrabfeld-1Bürgermeisterin Naber und Ortsvorsteher Hauf stellten auch fest, dass die Menschen heute andere Anforderungen an die Bestattungskultur haben als früher. Häufig wollten auch ältere Menschen ihren Hinterbliebenen nicht mehr die langjährige Pflege eines Grabes zumuten und suchten sich Alternativen. Die Stadt will anlässlich der Bürgerversammlung am 24. Juli in Niederstetten entsprechende Ideen vorstellen. „Aber Vorbachzimmern ist da wieder mal einen Schritt voraus“, stellte die Bürgermeisterin fest. Hier gelte die Maxime „sehen, erkennen, handeln“. Als Alternative zum Ruheforst wurde hier ganz aktuell durch das örtliche Gartenbauunternehmen Frank ein Baumgrabfeld angelegt, in dem zwei Ahornblättrige Platanen gepflanzt wurden. Diese Bäume haben den Vorteil, dass sie schnell wachsen und damit auch bald die entsprechende Größe haben und als echte Alternative zum Wald durchzugehen. Andererseits kann man sich nahezu beliebig zurückschneiden, so dass eine Beeinträchtigung umliegender Grabfelder minimiert werden kann. Die bereits installierten Urnenschleusen sind durch Steine gekennzeichnet. Hier kann man dann nach der Belegung Steine mit entsprechender Beschriftung ablegen.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde durch die beiden Chöre des Gesangverein Liederkranz unter der Leitung von Franziska Hammel, die abschließend Leonard Cohens „Hallelujah“ als Solostück vortrug.

Im Anschluss traf man sich nach der Hitze des Friedhofs noch in der angenehm kühlen Turn- und Festhalle, wo die Vereine zugunsten der Ortschaft die Bewirtung übernahmen. Hier wurde in gemütlicher Runde noch ein paar Stunden die in den vergangenen Jahren von vielen Bürgern ehrenamtlich erbrachte Leistung gemeinsam gefeiert, über den Friedhof und vieles mehr gesprochen und vielleicht der Grundstein für das eine oder andere kommende Projekt gelegt.